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Maria und Nikolaus


04. Dezember 2020

Der Bischof von Myra und der Mythos vom selbstlosen Gabenbringer

DRESDEN - Das Namenspaar ist als Paar zwar unbiblisch, aber häufig treten sie als beliebte Patrozinien gemeinsam als Kirchennamen auf. Unzählig die Paarung in vielen Städten, in denen im mittelalterlichen Stadtkern häufig Marien- und Nikolaikirchen gemeinsam imposant, aber im gebührenden Abstand auf sich aufmerksam machen. Das traute Paar wird höchstens gestört von Peter und Paul (Petrikirchen), den Martins- oder Jakobuskirchen, die ebenfalls meist mittelalterlichen Ursprungs sind.

In Sachsen zumindest führt bei den noch bekannten Patrozinien der biblische Name der Maria mit 39 Kirchen das Ranking an. Dann gleich gefolgt vom Personennamen des Nikolaus (38). Obwohl sie in unseren Breiten meist im Mittelalter zu verorten sind, gab es schon damals beliebte Namen zu bestimmten Zeiten. Wie bei den heutigen Vornamen kann häufig recht genau gesagt werden, aus welcher Zeit sie stammen. Dazu kommt noch, in welchen Zusammenhängen Kirchen gegründet und errichtet wurden.

So war mit einer St. Nikolaikirche die aufstrebende Kaufmannsiedlung an wichtigen Handelsrouten unter den Schutzpatron der Handelsleute und Reisenden gestellt. Ein Beispiel in Sachsen ist die Leipziger Nikolaikirche, die zu Ehren des Heiligen Nikolaus in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts als romanische Kirche entstand. Zum Nikolaustag besinnen sich die Nikolaikirchen ihrer Namensgebung und so wird beispielsweise in der ältesten und größten Kirche Leipzigs am Sonntag, 6. Dezember, im Vormittagsgottesdienst und am Nachmittag in einer Ökumenischen Andacht in der Nikolaikirche daran erinnert.

Der Namenstag am 6. Dezember und die Verehrung in fast allen christlichen Kirchen geht mit dem Metropoliten von Myra (*um 283, † um 348 in Myra) weit in die alte Kirchengeschichte zurück. Nikolaus, mit 19 Jahren zum Priester geweiht, kehrte von einer Pilgerfahrt ins Heilige Land zurück und wurde durch die christliche Gemeinde in Myra zum Bischof gewählt. Der streitbare Glaubenszeuge soll Wunder vollbracht haben, blieb aber vor allem wegen barmherziger Taten in Erinnerung.

Somit verband sich mit seiner Person, ähnlich wie bei St. Martin, ein Mythos vom selbstlosen Gabenbringer. Das führte dazu, dass der Nikolaustag über lange Zeit als Tag der Geschenke gefeiert wurde, nicht Weihnachten. Martin Luther, der die Heiligenverehrung ablehnte, übernahm dennoch den Brauch für die Kinder. Dennoch verschob sich die Bescherungsfeier nach der Reformation weitgehend auf das Weihnachtsfest, an dem entweder am Heiligen Abend oder am 1. Christtag die Geschenke überreicht werden.

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